Pneumokokken sind weit verbreitet
Pneumokokken sind Bakterien, die bei vielen Menschen zur normalen Besiedelung des Nasen- und Rachenraums zählen. Die meisten der Pneumokokkenträger zeigen jedoch keine Symptome. Zu einer Erkrankung kommt es erst, wenn sich die Keime in der Schleimhaut unkontrolliert vermehren und zu Entzündungen führen.
Pneumokokken sind sogenannte bekapselte Bakterien. Ihre äußere Hülle besteht aus komplexen, zuckerähnlichen Substanzen, die als Polysaccharide bezeichnet werden.1 Die Struktur der Polysaccharide erlaubt es, zum gegenwärtigen Zeitpunkt bei Pneumokokken insgesamt über 90 Unterarten zu unterscheiden. Diese Unterarten werden als Serotypen bezeichnet. Impfsubstanzen gegen Pneumokokken wirken immer nur gegen einzelne Serotypen. Um gleichzeitig einen Schutz gegen mehrere Serotypen hervorzurufen, müssen deshalb Impfstoffe aus verschiedenen Impfsubstanzen gegen einzelne Serotypen zusammengesetzt werden. Man spricht dann zum Beispiel von einem 13-valenten Impfstoff, wenn er gegen 13 Serotypen schützt.
Die meisten Pneumokokken-Erkrankungen gehen auf nur wenige Serotypen zurück. Dadurch ist es möglich, mit einem Impfstoff, der gegen 13 der über 90 Serotypen wirkt, einen Großteil aller Pneumokokken-Infektionen zu verhindern. Betrachtet man die Serotypenverteilung bei schweren Pneumokokken-Erkrankungen in Europa, so deckt der Impfstoff die Serotpyen ab, die für über 90 % der Erkrankungen verantwortlich sind ab. Der 13-valente Pneumokokken-Impfstoff wurde auf Basis eines 7-valenten Impfstoffes entwickelt, der in Deutschland seit 2001 verfügbar war. In den letzten Jahren nahm der Anteil von Serotypen zu, gegen die der 7-valente Impfstoff keinen ausreichenden Schutz bietet. Dies erforderte eine Weiterentwicklung und Anpassung an die neuen Gegebenheiten. Ein neuer 13-valenter Pneumokokken-Impfstoff deckt nun 6 weitere wichtige Serotypen ab und bietet somit einen umfassenden Schutz vor Pneumokokken-Infektionen.
Wie werden Pneumokokken übertragen?
Pneumokokken werden durch die sogenannte Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen. Beim Husten oder Niesen, aber auch beim normalen Sprechen oder Atmen vermischt sich Feuchtigkeit aus den Atemwegen in sehr feinen oder auch größeren Tröpfchen mit der Luft. Diese Tröpfchen können Bakterien enthalten, die mit dem Luftstrom zu anderen Menschen gelangen und diese infizieren, obwohl der Träger selbst nicht krank ist.
Wie häufig sind Erkrankungen durch Pneumokokken?
Erkrankungen durch Pneumokokken sind sehr häufig. Pro Jahr kommt es in Deutschland durch Pneumokokken zu schätzungsweise 390000-650000 Lungenentzündungen. Von 1000 Kindern unter 5 Jahren erkranken pro Jahr zwischen 64 und 105 an einer solchen Pneumonie.4
Darüber hinaus erkranken jedes Jahr etwa 3 Millionen Kinder bis 10 Jahren an einer Mittelohrentzündung. Zahlreiche dieser Erkrankungen werden von Pneumokokken ausgelöst. Der genaue Anteil ist nicht bekannt, da der auslösende Erreger oft nicht bestimmt wird.4
Etwa ein Fünftel bis ein Drittel aller von Bakterien verursachten Hirnhautentzündungen bei Kindern gehen auf Pneumokokken zurück – pro Jahr mindestens 160.1 Hinzu kommen mindestens 800 Fälle von Blutvergiftung. Insgesamt werden Pneumokokken für rund 12000 Todesfälle pro Jahr verantwortlich gemacht.
4 Claes C, Reinert RR, Schulenburg Graf von der JM: Kosten-Wirksamkeit des Konjugatimpfstoffes PVC7 bei Pneumokokken-Infektionen in Deutschland. Diskussionspapier Nr. 25 der Forschungsstelle für Gesundheitsökonomie und Gesundheitsystemforschung (internationale Zusammenarbeit mit der MHH), Version 1.2, November 2005